Beigeschmack

Da die Ausgabe FIVE #85 schon ein paar Tage alt ist, also schon in den Annalen der Regale, der Papierkörbe, der Verbrennungsöfen verschwunden oder doch noch als Glasuntersetzer dient und damit kaum noch zu dechiffrieren ist, und weil ich gefragt wurde, bin ich nun ganz frei mit dem Geschwätz von gestern:

Dunks, Dreier, Leichtigkeit, Kurioses – das Spektakel der BBL steht an. Und wer erinnert sich nicht an Vergangenes? 2006 der legendäre Block des überragenden Demond Greene, die zweifache Verlängerung, die rotierende Kugel, die Mike Penberthy immer wieder von außen durch die Reuse schwang. Die Zuschauer sprangen in der Köln-Arena von ihren Sitzen. Immer wieder. Nord gegen Süd – Basketball-Deutschland geteilt durch eine schwammige Grenze. Fan-Herzen pulsierten für die Heimat in Nord oder Süd, für das All Star Team, das ihre Region repräsentierte. Doch in den letzten Jahren versiegte die Begeisterung. Kleinere Hallen, entfernte Standorte, stagnierendes Interesse. Intensive Würze für alte Begeisterung muss her. Die Liga möchte an den diesjährigen Hype anknüpfen und die Halle füllen. Schließlich soll die Sportart weiter nach oben klettern. Also überlegte man sich, ein scharfes Curry zu präsentieren. Wie schon zwischen 1996 und 1998 spielen dieses Jahr abermals die nationalen gegen die internationalen Koryphäen. Nun ist Schärfe auch immer abhängig vom individuellen Geschmack. Weniger feurig ist deswegen schon allein die Nominierung eines Nationalteams. Welche Konkurrenzfähigkeit diese Konstellation besitzt, wissen wir. Die Sympathien sind dem Team national wohl dennoch garantiert. Sie sind Deutschland. Sie sind Identität. Sie sind wir. Was aber, wenn sie verlieren gegen die athletischen, gerissenen Jungs aus dem Ausland? Wenn sie das Konzept deutsche Liga, deutsche Spieler, deutsche Qualität nicht umsetzen können? Dann sollte sich Jan Pommer nicht wundern, stünden seine Haare geschockt gen Hallendecke gerichtet und sähe er in enttäuschte Fan-Augen. Mit dieser Teilung erzwang die Liga einen Spagat. Und das kann schmerzen. Mit eurer Wahl der Teams erzwang sie eine Spaltung in zwei Lager, die zusammengehören, wie die Spieler der einzelnen BBL-Mannschaften. Zudem fehlt der Gratmesser für die deutschen Spieler. Wie beliebt sie zwischen den Ausländern sind, welche Plätze sie im Ranking eingenommen hätten, hinterlässt ein großes Fragezeichen. Einen Bogen und einen Punkt. Den Bogen zu einem gesunden Verhältnis könnte die Quotenregelung indes von selbst ergeben. In der Zeit, die dieses reifende Konzept benötigt. Ganz frei und ungezwungen. Wie das Spiel an diesem Tag. Punkt.

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