Post aus dem Paradies, die Zweite

Lang, lang ist es her, aber das sollte kein Grund des Verschwindens, der Unscheinbarkeit oder Vergesslichkeit sein. Deswegen gibt es nun noch den zweiten Teil aus dem Paradies:

Vlade Divac. Ein Name. Ein Mann. Ein Spieler. Ein Charakter. Mehr gibt es nicht zu schreiben. Jedenfalls nichts, das die polarisierten Meinungen über ihn in eine außergewöhnliche Dysbalance verschieben würde. Warum also ein Auge auf ihn richten? Die Stimme des Serben klang sanft durch die Lautsprecherboxen. Sein Bass hielt die einfache Elektronik an der Grenze zum Hörbaren. Mit dem Ohr immer näher ans Radio rückend konnte ich durch das Knistern erfahren, dass der ehemalige NBA-Profi in Auckland gastiere. In Auckland! Er verriet, er werbe für die Ana und Vlade Foundation und werde mit dem Breakers-Nachwuchs in der Halle stehen – im one-on-one posting. Das außergewöhnliche Ereignis lockte. Sollte ich den Abwasch als absolut asoziale Backpackerin sofort einem anderen überlassen? Die Übertragung verlor sich in einem permanenten Rauschen, das keine Tonart durchdrang. Ebenso starb der Gedanke. Anstatt als geübte Tramperin einen Fahrer über die 6 und die 1 zu peitschen, lehnte ich mich zurück und plauderte mit einem Israeli über Muli Katzurin. Nur wenige Worte fand er für Frankfurts Coach. Da auch die israelische Liga nicht interessant genug  – „zu kleine Spieler“ – und der europäische Basketball „nicht athletisch genug“ seien, fanden wir uns im Wiegeland des Basketballs wieder. Also auch bei Vlade Divac.

Einen Ort weiter, Party(-Queens)town, sprach eine Holländerin über ihren 2,13m großen Bekannten, Robert Krabbendam. Ein niederländischer Profi, der von 2004 bis 2007 für die Virginia Tech Hokies in der Division I auflief. Mit breitem Lächeln signalisierte sie den Stolz auf ihre eigene Basketballschnittstelle. Während die Geschäftsführerin der Butterfli Lodge und ich auf der Veranda den Ausblick über Lake Wakatipu genossen, durchbrach ein deutscher Akzent unsere Idylle. „Sweet as!“ (Kiwi-Slang), schrie eine Golflehrerin aus Ulm und feierte einen weiteren Sieg der ratiopharm mit triumphierend gen blauen Himmel ausgestreckten Armen.  Wir überquerten die holländisch-deutsche  Grenze und tauschten uns über das neue Team, den „tollen“ neuen Trainer und die „grandiose“ neue Halle aus. Es tut sich was im beschaulichen Ulm. Etwas Tolles, etwas Grandioses. Das kommt auch in Neuseeland an.

Die Sonne berührt nun nur noch die Berggipfel über dem Tal. Queenstown liegt im Dunkeln und erwacht zugleich. Bei einem NBA-Spiel klingt der helle Part des Tages für mich aus. Maori television überträgt. Meine Reise endet in der Nacht.

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