Muss mal eben schnell die Welt retten

Ein dramaturgisches Märchen aus sieben Akten mit sieben Geistern zwischen sieben Problemen in sieben Zeitzonen.

Prolog

Und weitere 700 Jahre. Warum sind die Maya-Zyklen überhaupt so lang? Und warum war die 7 für die Gebrüder Grimm so wichtig? Liegt nicht darin der Untergang? Uns fehlt die 7, die so gar nichts mit der 23 respektive 5 zu tun hat. Apopros, ich habe das Gefühl, ich erneure mich. Meine Haare werden kraus. Der Mensch ist nach 7 Jahren rundum erneuert. Alle Zellen sind ersetzt worden. Hmm… Ein bissel mehr 7 und ein bissel mehr Märchen  – mehr Magie – ab sofot.

Akt I

Es war einmal Hieronimo. Er streifte durch die Felder wiegender Ähren und setzte sich vor den vollen Mond, um ihn anzusehen. Der Mond war ihm wichtig. In den Schatten seiner Krater hatte Hieronimo einst ein Bild entdeckt. Ein Profil, in dem Isabell ihm erschien. Ihre zarte Nase, die langen Wimpern, das zurückhaltende Kinn, die langen Wangen und das glatte, zurückgebundene Haar beglückten ihn, wenn der Mond rund und voll am Himmel leuchtete. Jeden Tag sah er sie. In einem Teil der Rinde einer Platane vor dem großen Maisfeld ihre gütigen Augen; in der Reflektion der Sonne in einem Tropfen ihre strahlende Schönheit. Er hörte sie auch, trällerten die Vögel glückliche Lieder. Wie eine Amsel hatte Isabell ihre Stimmer sanft eingesetzt. Doch der Mond war anders. Er war groß und nah. Sein Licht war nur für den einsamen Mann auf dem Feld bestimmt. Es berührte ihn. Es umarmte ihn. Hieronimo saß die Nacht im Schneidersitz und blinzelte so selten wie möglich, um so lange wie möglich das Profil seiner geliebten Isabell auch in der Nacht zu erblicken. Ach, hätte nur und wäre nur, dacht er. Dieser Krieg und diese Schlacht und jener Hass in jenen Menschen. Er kratzte sich am Hinterkopf, dann streichelte er sich die Brust. Hinter ihm wurde es heller. Ein schmaler Schimmer wurde weiß, drängte die Nacht darüber in ein dunkles Blau, das sich lila und rötlich färbte. Hieronimo wusste, es stünden die letzten und schlimmsten Minuten bevor. Sterne erloschen. Der Mond wechselte die Farbe. Er wurde rot. Hieronimo strich nun nicht mehr über seine Brust, sondern hielt die Hand auf den Fleck, wo gewöhnlich das Herz der Menschen unter der Haut pocht. Dann verlor der Mond allmählich sein Dasein für den trauernden Mann und verblasste. Der Himmel indes färbte sich mehr und mehr. So viele Dinge wurden deutlich. Aus den Schatten wurden Bäume, Wege und Blumen. Die Erde drehte sich unaufhaltsam und die Sonne wärmte sie stetig dort, wo sie hinreichte. Hieronimo spürte das. Ihre Strahlen stießen durch seinen Rücken. Er führte die Hand zu seinem Bauch, erinnerte sich an die kribbelnde Liebe und sank in diesen Gedanken ein. Langsam drehte er die Handfläche zum Himmel. Sie war rot.

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