Fakten, Informationen – was ist entscheidend

waitung in E
Sitting, wating, wishing. Photo: http://www.photoizzy.com

Die Wahllokale sind aufgepoppt, Schottlands öffentliche Einrichtungen öffnen die Türen für öffentliche Meinungen. Unabhängigkeit: Yes or No?

Es sei schwierig an die Informationen zu gelangen, die die Wahl entscheiden könnten, schilderte Deidre Brock im Büro der Yes-Kampagne. Die Protestler beschweren sich über die verzerrten Darstellungen in der Presse, besonders bei BBC, über gestaute Informationen, besonders der Politiker, und gar über Lügen. Stuart Campbell, bis vor kurzem noch Wähler der Konservativen, beschäftigt sich mit der Mediasicht und versucht mit Kollegen auf seiner Internetseite (http://wingsoverscotland.com/) die faktische Seite im wahren Zusammenhang oder frei davon darzulegen.

Medien

Die 37 Zeitungen würden die Unabhängigkeit nicht unterstützen, einige gar die Tatsachen dämonisieren, erzählen die Yes-Befürworter. Doch sollten die Medien weder etwas unterstützen, noch etwas negieren oder verfälschen. In einer Situation, in der die Minderheit spricht, darin die großen Politiker zumeist befragt und zitiert werden, schafft sie sich eine Nische, in der sie sich ständig bedroht fühlt. Eine psychologische Folge aus bedrohlicher Bewegung der Wenigen, wobei Druck und Wahrnehmung korrelieren. Der, der sich bedroht fühlt, wird zu einer machtvollen Bedrohung, um sich zu verteidigen. Ein ethischer Diskurs ist kaum noch möglich, Fronten stellen sich gegenüber. „In the last few years by Unionist politicians and the media ist, to be blunt, a tissue of half-truths, omission, misreprentations ans flt-out lies“, ist bei Campbell zu lesen (The Wee Blue Book, S. 1). Frustration bellt und will beißen. Dass an solchen verschworenen und eingeschworenen Geheimniskrämerein bzw.Merhoden etwas dran ist, ist bekannt: der freitag hat sich das genauer angesehen und eine psychologische Bedürftigkeit entdeckt.

Die Wahrheit liegt in der Mitte und die Medien als ausreichend funktionsgestörtes Instrument wird hier wohl zurecht angeklagt, da die Fakten, die Gedanken zum schottischen Referendum längst vorgestellt worden sind, doch die Wähler nicht erreichen konnten. Die eine Kampagne versuchte aufzuklären, die andere zu verklären. Wort gegen Wort. Von oben nach unten; von unten in die Breite. Abermals wird deutlich, wie Medien durch fehlende Transparenz mit-entscheiden.

politische Repräsentation

Arbeiter gegen Anzugträger. In 68 Jahren hat sich Schottland sechsmal für die Konservativen entschieden, aber 38 Jahre eine konservative Regierung erlebt. Mit den Resultaten aus den Wahlen mischen sie zwar die Verteilung für das Königreich ein wenig, werden aber als unabhängiges Land keine neue Regierung an England, Wales und Nordirland hinterlassen, für sich aber einen großen Unterschied herstellen. Das ist das hauptsächliche Problem an der Debatte, an den Entscheidungen. Schottlands Bewohner fühlen sich unterdrückt von den 85% der Wähler aus England, von der Westminster-Regierung und nicht ausreichend frei in den eigenen Entscheidungen. Autonomie, Unabhängigkeit, Freiheit fordern sie.

Gesundheitswesen

Eines der wesentlichen Argumente der bekräftigenden Unionisten ist das Gesundheitswesen, das gemeinschaftlich britische National Heath System, das sie, die britische Regierung, teilweise oder gänzlich privatisieren möchte (TTIP-Abkommen bzw. Social Care Act). Zum Einen gibt es dieses einheitliche Gesundheitswesen nicht, da die Verantwortung ohnehin schon an die Regionen England, Schottland (1948), Wales (1969) und Nordirland (1948) übertragen worden ist. Zum Anderen gibt es noch prozentuale finanzielle Abhängigkeiten, die je nach privater Einzahlung nachteilig für Schottland wären.

Währung

Why not keeping the pound sterling? Der schottisch Geldschein sieht anders aus, hat schottische Gesichter und schottische Geschichte. Die Schotten sollen ihn auch behalten, den Pfund. Dagegen kann auch die Queen nichts sagen. Der Sterling sei als voll-handelbare internationale Währung eingestuft worden und dürfe somit ungebunden an die Briten sogar weltweit als Währung eingesetzt werden, legte Campbell dar (S. 18).

Steuern

Schottland erhält und zahlt, darin ein Missverhältnis: Schottland zahlt mehr als es erhält. Pro Kopf würde Schottland 500 Pfund mehr an das Königreich zahlen, als es erhielte, macht Campbell an den Aussagen von Hansard fest (S. 13).

Öl

Das große Thema: Wem gehört das Öl vor Schottlands Küsten und wer macht Geld damit? Die Plattformen werden von internationalen Arbeitern im britischen Gebiet betrieben; das Geld geht nach London, könnte Schottland jedoch den schwärmerischen Reichtum (die Zahlen gehen hier seit Jahren weit auseinander) verschaffen, auf den es sich stützt, voraussichtlich Orkney und die Shetlands fordern sich nicht die Unabhängigkeit von Schottland ein oder die Rückführung zum Königreich. Es sei zudem daran gedacht, auch wenn es nicht so scheint im Augenblick, dass die Öl-Ressourcen endlich sind und die grünen Themen von alternativen Ressourcen und Energien auch in Schottland in den folgenden Jahren stärkeren Zuspruch finden können.

Verteidigung

Die Yes-Kampagne des linkes Sektors hat versucht sich mit dem pazifistisches Gedanken durchzusetzen. In den Weltkriegen und bei militärischen Einsätzen müssten Schotten an die Waffen, um anzugreifen oder zu verteidigen, eine nukleare Wasserwaffe liegt bei Schottland an der Küste. Doch wer würde Schottland angreifen? Bei Öl-Knappheit, um die englische Krone zu attackieren? Ohne Armee könnte es im Sturm-Fall für fünf Millionen Schotten ungemütlich werden, wenn auch die Anbindung an die Nato oder EU fehlen wird, was Campbell u.a. aufgrund des Rohstoffreichtums ausschließt (S. 48). Andere haben ihren Zweifen: “Would an independent Scotland be another free rider on US security guarantees?” Dr Tim Oliver, of the Center for Transatlantic Relations, asked. “The US is frustrated enough already at the number of bonsai armies in Europe. There wouldn’t be much expectation that Scotland could do anything in Nato.” (the guardian, Nick Woolf) Da sich wahrscheinlich weitere Regionen Europas an einer Abstimmung und/oder Abspaltung nach Schottlands Wahl beteiligen werden, könnten EU und Nato ein Vorzeigefall schaffen, um diese davon abzuhalten. Was sollen sie aber letztlich tun in einem Separatismusdrang? Eine Spekulation, die ein Yes erfordert.

„Wird Schottland besser sein als unabhängiges Land? Keiner weiß es, denn es ist die Zukunft“ – eine Video des Guardians zeigt eine kurze Zusammenfassung.

Advertisements