Es schwebt sphärisch die Illusion

Raglan (43)Irgendwer hat sicherlich mal gesagt, die Welt ist ein Ponyhof. Und irgendwer meinte irgendwann mal, die Welt ist Illusion. In Nietzsches Augen lebt die Menschheit in einer Welt der Wiederkehr, ständige Wiederholungen sind der Alltag. Schlingen legen den Weg durch die Welt. Auf diesen Schlingen wandernd wird wiederholt und kopiert, reproduziert und erhalten, was längst schon ist. Bahnbrechendes ist aufregend, aber nur das, was die Welt zerstören könnte, schafft es immer wieder in die aufmerksame Öffentlichkeit wie der Protonenbeschuss im unterirdischen Labor der CERNer Wissenschaftler. Ein Päng und die Welt ist verschluckt. Hier wird ein Kunststück versucht und versucht; eines, das der angeblichen Singularität des Universums vorbehalten war. Warum also etwas wiederholen, das einmalig war? Und vor allem, das war?

Es gibt sicherlich gute Gründe für die Erforschung der Natur und der Gesetze dieser, all dessen, was wir kennen und erfahren, all dessen, was ist. Es ist sicherlich gut, all die gesagten Worte zu wiederholen, all das Geniale zu erneuern. Das ist sicherlich gut, weil es nichts Neues gibt. Welche Erfahrungen wurden noch nicht gemacht, welcher Gedanke noch nicht gedacht, welche Innovation noch nicht erfunden? Gefühle und Erlebnisse der Menschen rekonstruieren die Vergangenheit. Wer aus den Kinderschuhen nicht wachsen möchte, begehrt das Bonbon und die Schaukel, das Bier und den Tanz. Das Kind verlagert sich in die Erwachsenenwelt ohne Kind zu sein und ohne Erwachsener zu werden. Bewahre dir dein inneres Kind, lautet sicherlich ein bekannter Spruch. Alles ist sicher in diesem Bereich des inneren Kindes, das lernte sich zu verhalten, das gern dahin zurückkehrt, wo es aufgehoben ist, das gern nicht erwachsen werden möchte, sondern schaukelt oder tanzt unter einflussnehmenden Lockerungsinstanzen oder Substanzen.

Die Welt hält sich eng und unerwachsen, spielt sich in Filmen und außerhalb davon etwas vor, vergibt goldene Himbeeren und noch goldenere Oscars, um die besten Imitatoren zu beglückwünschen; sie unterhält und lenkt ab, spitzelt, wertet und bewertet, vergibt Werte und Urteile, beschreibt die Sicht und die Perspektiven, erklärt die Wahrnehmung und die Tatsachen, manifestiert und beeinflusst die Wirklichkeit, schafft eine Art der Wahrheit auf ihre manipulatorische Art. Das gilt für Wissenschaft und für Politiker, für Filmemacher und ihre Abbildungen, für Künstler oder Kreative, für Ökonomen und Bild-dir-meine-Meinung-Schaffende (also 98% der Medienleute). Die Illusion des Machens.

Kauf dich glücklich, friss dick glücklich, trink das Leben schön, meditiere dir ein Auto, erträume dir Überfluss und lebe in mehr als du bereit bist zu geben. Gleichberechtigung für jung und alt, für weiblich, für männlich, für trans, für bunt und gegenüber weiß, für krank, schwach und potent, für hilflos, minderbemittelt und reich, für obdachlos und scheich-reich, für traurig und affektiert glücklich? Auf dem Ponyhof wollen alle reiten und alle sollen dürfen. Sie reiten in Kreisen ewiger Wiederkehr. Mit Schiffen pilgern die, die meinen, das Heilsland wäre dort auf der Farm, wo das Pony an der Leine trabt, wo sich die Spektakel intrigant abspielen. Der kalte Krieg ist geschaffen für die Mächtigen, die Waffen von Auswärtigen an andere geben, damit diese sie tragen, gegen wieder andere, gegen die man sich mit den geheimen Waffengebenden verbündet hat, damit diese heiße Kugeln abfeuern, auch gegen sich selbst. Was in der dunklen Ecke des Ponyhofes passiert, wer hier welchen Teil des Waldes von Borneo verhökert oder welche Grenzlinie überrennt, bleibt uneinsichtig und vage. Und in diesem Nebel bleibt es kalt, ein kalter Krieg mächtiger Wohltäter und Staatsangestellter. Die Orang-Utans klatschen, weil sie noch leben. Die Verbrennung der Bäume und die qualmende Herstellung von Palmfett nebenan verklebt ihre Lungen und vergiftet ihr Blut. Auf den Feldern liegen leblose Leiber und in der Heimat irren aggressive Schusserfahrene durch den Garten.

In den Meeren spielen Delfine mit Plastiktüten und Tunfisch ernährt sich von Quecksilber, das auf den Tellern zu einem roten Anstieg appetitanregender Färbung führt. Die grüne Lunge raucht, das Kaspische mehr staubt, die Pipelines brechen und wie die Tanker auf den Meeren vergießen sie kräftig Öl, das Millionen von Autos und die zu verpackenden Nahrungsmittel für den überseeischen Transport notgedrungen benötigen. Vom Himmel regnet es Weltraumschrott, der schön grell in der Atmosphäre verglüht.

Kinder werden in Busse gesetzt und mit dem Versprechen auf Arbeit zu Lagern gefahren, um bei der Kakaoernte bis zum Hungertod beschäftigt zu werden. Ihre Familien hoffen auf ihre baldige Wiederkehr mit einem lebenserhaltenden Salär. Anderen Kindern wird eine Granate in die Hand gelegt mit der Anweisung, wo sie sich zu positionieren haben. Einige Menschen auf öffentlichen Plätzen begießen sich mit Benzin, um sich anzuzünden und ihren Unmut auszudrücken. Auf ähnlichen Plätzen versammeln sich viele Menschen. Sie rufen ihre Besorgnis laut aus, weinen um Verstorbene eines Flugzeugabsturzes oder eines Übergriffs, legen Blumen neben Fotos nieder. Sie fordern gerechte Aufklärung, gerechte Leben. Es folgen Schüsse; es folgen Handgreiflichkeiten. Viele bluten und sterben.

Hier und dort wiederholt sich dies und das. Und oft wird geschwiegen, sich nur vage erinnert und präzise vergessen. Vor allem dann, wenn Akten verschwinden oder es gewisse Ereignisse bzw. Fälle nicht gegeben hat. Zeitzeugen sterben aus, Leid und Wahrheit werden gemindert. Die Dunkelheit dort hinten nimmt zu und bald ist die Weide davon eingenommen.
Terror in der eigenen Haut und zwischen den eigenen Wänden – das Chaos, die Katastrophe wird geschaffen, um diese zu bestätigen und um ihr weithin zu dienen. Feuer, Feuer und Zünder sind des Fegefeuers Günstlinge. Es verbrennt die Erde, die Haut; es erstickt der Schrei der Krebse. Die Langeweile überlebt. Tristesse royal, weil die Todessehnsucht sonst zu groß, die Katharsis in Idealen nicht funktioniert. Der Phoenix steigt nicht auf, nichts wird geschaffen, keine Erkenntnis geboren. Das Pony läuft auf der Asche an der Longe geführte Kreise.

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