Schwingen im Kegel des warmen Lichts

Licht im Dunkeln

Wir sind, was wir denken. Aber wer denkt, dass er denkt, was er ist? Was ich, du, er, sie oder es ist, ist abhängig von mir, dir, ihm, ihr oder ihm. Das Konzept könnte nicht einfacher sein.

Manipulation und besonders die Form der Propaganda manifestieren sich im kollektiven Bewusstsein. Korruption und Propaganda sind die Mittel aller. Einige manipulieren offensiv und trotzdem fällt es im manipulierten Bewusstsein nicht auf. Es ist, was wir glauben, dass es ist. Das beweist das Doppelspalt-Experiment, das den Zufall beschreiben soll, es bei Zufall belässt, weil die Wahrnehmung sogar mit Hilfe der sensiblen Messinstrumente nicht weiter reicht als es die Zufallstheorie gestattet. Wir erkennen nur soweit das kegelförmige Bewusstsein reicht.

Was für viele russischen Bürger und Bürgerinnen ein edles Gebilde in Bronze oder in Haut ist, ist für westeuropäische Menschen und noch viel weiter westlich Lebende das Sinnbild für Tyrannei oder für Diktatur. Wäre die Welt noch westlicher möglich und würde sie nicht wieder im Osten ankommen, würden wohl die Menschen von fern aus dem westlicheren Westen und ferner davon ähnliche Worte für die westeuropäische Zivilisation nutzen oder gesenkter Lider schweigen. Aber vielleicht müssen wir gar keine utopische Westlinie schaffen, um uns selbst vergleichend zu betrachten. Sowohl in Ost als auch in West beider Hälften einer sich drehenden Kugel gibt es Menschen und Völker, die erkennen, dass sich die zivilisierten Systeme gleich verhalten, dass das Ego in jedem Enzelnen groß ist, verblendet und sich unter Flagge oder mit heiligem Buch auf der Brust ausdehnt in ein kollektives Denken, welches manifestiert, was manifestiert werden soll und darf. Es kann nur gesehen werden, was der Glaube und das Wissen offenbaren. Je mehr daran glauben, desto fester das Geschehen für das Individuum oder die Gruppe.

Im Wendekreis des Krebses und zu dessen hohen Phasen ist dies besonders ausgeprägt. Hier wird die Fürsorge des Symbols zur Fürsorge des Ichs. Und je intelligenter das Ich, desto größer seine Macht, durchgesetzt mit Intrigen und Kabalen, die Schiller nicht schöner hätte aufschreiben können. Wir folgen der Kameraführung und folgen der momentanen Möglichkeit, die sich bietet. Zuvor fixiert auf Papier, Wahlmöglichkeiten suggerierend: das ist, was zu sehen ist – und wir glauben daran.

Nichts anderes ist (religiös) affirmierter Terrorismus, den patriotische Menschen für falsch halten, die unter nationalen Farben Hymnen trällern. Wie im Fußball. Dann sind die Zuschauer verbrüdert und sind sich einig, wer mit mindestens einem Tor mehr aus der Partie gehen soll. Für den Verlierer empfinden sie keine Empathie. Der Märtyrer mit den Bombenopfern im Übrigen auch nicht. Ja, da ist ein schroffer Vergleich, der nicht haltbar ist. Die Fans leben noch und können sich dennoch lieb haben, wenn Fußball Sport bleibt und weitere Lebensbereiche nicht touchiert.

Der Mensch ist nur so schlimm wie sein schlimmstes Schlimm, so traurig wie seine traurigste Trauer, so machtvoll wie seine mächtigste Macht und so schwach wie seine schwächste Schwäche, auch nur so glücklich wie sein glücklichstes Glück und so lustig wie seine lustigste Lust. Das gilt auch für die Gruppe. Wer also sagt, Waldimir Putin ist der schlimmste Mensch, erkennt in ihm sein Schlimmstes. Wer sagt, Frau Merkel ist die unzufriedenste Frau, erkennt in ihr sein Unzufriedenstes. Wer sagt, Oliver Welke ist der Lustigste, erkennt darin sein Lustigstes. Und weil das durch den nationalen Anstrich der Stereotypen von Wir und den Anderen wie im Fußball geprägt ist, reflektiert es auch das. Putin, der starke und konsequente Harte. Merkel, die diplomatische und abwägende Vorsichtige. Welke – ja, Welke eben. Fühlen wir uns nun zu denen hingezogen, die uns gleich sind, die auch sagen, wie schlimm oder wie lustig wir sind und etwas ist?

Sozialer Konstruktivismus funktioniert über den Austausch und den Abgleich. In der Physik sind das die interferierenden Korrelationen, die Schwingungen, auf denen wir gleich sind. Oder Gleiches schaffen, in dem wir affirmieren, weil wir der Gruppe zugehören wollen. Plötzlich geraten die Gedanken in unseren Denkprozess und werden selbstständig. Sie haben sich auf die Schwingungen der anderen eingelassen und unser System ist offen genug nun von sich aus zu affirmieren. Anpassung durch affirmative Wiederholungen. Bananen: ja. Fußball: ja. FC Union: ja. Nationale Einheit: ja. Demokratie: ja. Deutschland: ja. Europa: ja. Hautfarbe: ja. Ethnie: ja. Islamische Fundamentalisten: nein. Radikale: nein. Terrorismus: nein. Eine Moral: ja. Kollektives Bewusstsein: ja. Gleiche Schwingungen: ja. Ein Vibe – die Synchronizität. So kann Gleiches sehen und Gleiches bestätigen, denn das Äußere ist das Innere und beide erliegen dem Gesetz der Anziehung. Das Gehirn ist das eigene manifestierte materielle Bewusstsein, die Ausstülpung in der Matrix, die wir mit allen teilen.

Was nun, wenn die Einflussnahme, die Schwingung so machtvoll, so ansprechend, so manipulierend ist, dass sie nur affirmiert werden kann? Ja, diese Emotionen, ja, diese Farben – die Methoden der Werbung. Die Worte und ihre Aussagen werden nebensächlich, wenn wir auf stärkeren Ebenen, auf subtileren, schnelleren Frequenzen schon miteinander verbunden sind und das Gefühl uns mitteilt, wie richtig es sich anfühlt, was geschieht, oder wie berauschend dieses kollektive Gefühl in einem Fußballstadion ist, wie gut es tut, in dem kleinen leere Fleck in uns endlich etwas Wohliges zu spüren. Dem können wir uns nur ergeben.

Der KGB, die CIA, der BND, Sekten und Zellen wissen dies in anderen Bereichen zu nutzen als der Kommerz, der Kom-mit-merz. Da viele Menschen es vorziehen so wenig wie möglich ihrer Individuation auszuleben, sind sie leicht zu lesen. Ja und Nein sind wie Eins und Null und ergeben im Hell- und Dunkelfeld Treffer. Die Punkte im Licht der Möglichkeiten lassen sich verbinden und bilden ein Ich, als würden Algorithmen ein Leben errechnen. Der gläserne Mensch ist ein Ja-Sager oder ein rebellischer Nein-Sager, der zu einem anderen Kollektiv ja sagt. Nur zu sich sagt er nein. Und darum ist die Manipulation leicht durchzusetzen, die Propaganda leicht umzusetzen durch Persuasion und Füllmasse in genau den leeren Stellen der Punkt-Linien-Verbindungen, die „ich bin einsam, bitte gib mir“ rufen. Für gleiches Schwingen, also um mehr Menschen einzubeziehen, die Masse zu vergrößern, erhöhen die Mächtigen die Wellenkämme der Interferenz, während sie das Minus annihilieren durch Ignoranz oder Trennung aus dem gemeinsam Bewussten. Das ist ein einfaches Konzept nur schwierig ausgedrückt. Wenn zwei Wellen aufeinander treffen, kann es sein, dass die eine Welle ihren Kamm dort zeigt, wo die andere Welle ihr Tal hat. Bei gleicher Stärke ergibt das in etwa Null. Verläuft nun ein Tal einer Welle gegen viele sich aufgetürmte Wellenberge, wird die große Welle geschwächte.

Dissidenten oder mutmaßliche Gegner werden sogar in Freiheitsbewegungen wie bei den Unabhängigkeitskämpfen der SWAPO in Namibia von der Gemeinschaft interniert, gefoltert und nur dadurch separiert oder assimiliert, indem sie sich nicht mehr in den Äther, in den Raum, ausdehnen können. Oder sie verschwinden und das Nichts wird gefüllt durch Affirmation im besten Falle. Aufbegehrende Gedanken wie die eines Boris Nemzow können sich den Wellenbergen nicht mehr entgegen stellen, um sie zu mindern. Angst verhindert oft das Prinzip der Mächtigen und den Mut sich gegen die Masse zu stellen. Ein Anführer folgt dem nächsten, eine Mafiosi folgt dem nächsten. Sie alle werden gestützt und geschützt, nur nicht von wahren Dissidenten und Whistleblowern, die wie Wellentäler darin verlaufen. Wir machen uns die Wirklichkeit mit der starr gehaltenen Kamera, ausgerichtet in den Lichtkegel des Scheinwerfers, in dem Gleichförmiges schwingt – das ist „Gruppendynamik“, die mit zunehmender Gruppe verhärtet.

Wer im Dunklen haust, sitzt nicht im Schatten, soweit die eigenen Möglichkeiten dort leuchten. Doch die, die meinen selbst und offen zu sein, reagieren durch denken ihrer individuellen Anpassungen entsprechend: ja zum Guru, ja zu Faucoult, ja zum Ich-les-mich-schlau. Tsss, die Objektivität, was ist das schon? Das, was wir glauben und worin wir vertrauen, was sich beweisen lässt. Jedes Experiment wird beeinflusst durch den Zielgedanken, jede Studie wird beeinflusst durch die zielgerichteten Fragestellungen.

Der Wille ist frei, wenn das Denken frei ist. Dann ist weder Putin der Schlimmste noch Merkel die Unzufriedenste. Dann ist der westlichste Westen, wo West und Ost ohne Anspruch, weil die Kugel rotiert. Dann ist 9/11 als Trauma schlimm, aber zu akzeptieren. Dann ist der Islam bildend, wie es der Buddhismus ist. Dann ist der Weg des Gedankens der Weg der Veränderung, der transformierenden Umpolung. Dann ist surfen das Leben und kein vermarkteter Lifestyle. Dann kommt Musik aus dem Herzen und nicht aus der Geldbox, um dorthin zurückgeführt zu werden. Dann ist die Macht des Machens im schaffenden Verständnis wichtig. Dann sind Flaggen nur abgebildete Farbkonzepte in Museen. Und Grenzen sind nur die eigenen Abgrenzungen, um mit freiem Willen nein sagen zu dürfen, ohne Folter und Fesseln an den Füßen erwarten zu müssen, und doch offen bleiben zu können, weil die (emotionalen) Farben, auf denen wir schwingen, oder die Musik in unseren Herzen nicht immer kompatibel sind.

Soll heißen: Akzeptanz statt Affirmation.

(Alles kann, darf, soll geprüft, verrissen oder widerlegt werden.)

Links:

Trailer Snowden Doku

Doku arte zu Whistleblowern in den USA

Doku ARD zur Ikonographisierung in Russland und dessen Chance im Osten

Interview taz mit Olga Romanowa zu Russlands speziellen und politischen Situationen des Landes

Advertisements